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Heute ging es für mich hin und her. Um 8:10 Uhr, noch vor der Tour, bin ich ganz schnell losgeflitzt, um Fotos von den präparierten Wegen für die Santo Christo Porzession zu machen. Nachdem man schon seit Tagen die Schaufenster und Balkone dekoriert hatte, war heute der Weg dran, den die Prozession durch Ponta Delgada nehmen würde.

Danach bin ich aber erst einmal aufs Boot und dufte Finnwale und wieder meine geliebten Gewöhnlichen Delfine sehe. Diesmal sind mir vom Finnwal aufgrund der Wellen nicht so gute Fotos gelungen, dafür jedoch umso bessere von den Delfinen. Sie haben ganz junge Delfinbabies dabei und sie bleiben immer dicht bei Mama. Auf einem Bild kann man gut sehen, wie die kleine Finne hinter der Mutter hervorschaut. Auf einem anderen Foto kommt gerade das kleine Gesicht aus dem Wasser. Der Anblick ist herzergreifend.  Alle an Bord waren hin und weg. Die Delfine flitzten um uns herum und genossen das Reiten in der Bugwelle des Catmaran. Von diesem Anblick und ihrem Fiepen bekommt man nie genug. Ich bin so froh und dankbar, hier sein zu dürfen. Die lieben Mitarbeiter von Futurismo tun ihr Übrigens. Ich bin herzlich willkommen und ein kleines kleines Bisschen Teil der Truppe.

Nachmittags war keine Ausfahrt und so habe bin ich einmal den ganzen geschmückten Weg  abgelaufen und habe dann noch die Prozession angesehen. Witzig war, als ich eine Einheimische fragte, ob sie Englisch könne, was sie mit „a little“ beantwortete. Ich fragte dann, warum den ausschließlich Männer mit in der Prozession gehen. Alle waren in dunklen Anzügen fein gemacht und hatte eine rote Robe ohne Ärmel darüber gezogen. Die Folgen waren absolut amüsant. Die Frau fragte dann ihre Verwandten und es entbrannte eine typisch südländische hitzige Diskussion. Ich habe ja nichts verstanden, aber nach der machomäßig wirkenden Reaktion der Männer war man wohl entrüstet, weil Christo wohl ein Mann sei und dann natürlich nur Männer laufen. Bei der Antwort vergaß die Frau wohl die letzten Brocken Englisch und sprach nur Portugiesisch. Das bracht natürlich wenig. Egal. Ich fand es lustig und ich werde schon noch den Grund herausfinden.

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Mich hat gewundert, dass ein christliches Fest hier gleichzeitig auch ein sehr nationales Fest mit vielen portugiesischen und azoreanischen Flaggen ist und sogar das Militär mit Salutböllern und Dekoration ihren Anteil dazu leistet. So etwas kennt man in Deutschland nicht, soweit ich weiß.  Oster und Weihnachten überall deutsche Flaggen? Das wäre mir neu. Das portugiesische Volk lebt, insbesondere wahrscheinlich auf den von den Urgewalten mehr als üblich geprägten Azoren, lebt den christlichen Glauben sehr stark und ist zudem stolz auf die Nation, wie das bei vielen Ländern der Fall ist. Niemand würde dumm angeschaut werden, wenn er die Fahne seiner Heimat vor sein Haus hängt. Christlichere Glaube und Nationalität sind hier eine Einheit. Als die erste Kapelle vorbei marschierte und ein schwermütiges ergreifendes Stück spielte, dachte ich an die Veränderungen in Deutschland … und mir kamen die Tränen.

Beeindruckend war, wie viele Menschen der Prozession folgten. Nach Hunderten von Teilnehmer folgten vielleicht 2000-3000 Gläubige. Im Anschluss, etwa 3 Stunden später, marschierte noch die Feuerwehr mit einer tollen Kapelle hinterher. Die Trommeln gingen durch Mark und Bein. Ich fand es toll. Der ganze Ort duftet nun nach frischen Zweigen und Blüten, die von den vielen Menschen zertreten wurden. Und jetzt ist wieder Party angesagt. Ohne mich. Ich habe mir nur noch vom Restaurant aus die Leute angesehen und nun bereite ich mein Equipment auf Morgen vor, in der Hoffnung, dass es raus aufs Meer geht.

seeschwalbe

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